Fragen und Antworten

Das Tram wurde 2014 in einer Abstimmung abgelehnt. Weshalb kommt es jetzt doch?

Nach der Ablehnung des «Trams Region Bern» (TRB) 2014 hat die Stimmbevölkerung in Ostermundigen im April 2016 einer Wiederaufnahme des Projekts auf dem Ast Bern–Ostermundigen zugestimmt. Gemäss Entscheid der Bevölkerung soll die Rüti statt mit einem Tram mit einem Bus / Shuttle erschlossen werden.

Nach dem Volksentscheid wurden die Arbeiten am Projekt für den Ast Bern – Ostermundigen wiederaufgenommen. Voraussetzung für eine Realisierung war, dass die finanziellen Beträge von Kanton und Stadt Bern bewilligt werden. In der Stadt Bern hat die Bevölkerung den betreffenden Kredit im November 2017 und im Kanton Bern im März 2018 gutgeheissen. Eine Beschwerde gegen die Abstimmungsbotschaft des Kantons hat das Bundesgericht abgewiesen. Damit können die Arbeiten zum Tram Bern-Ostermundigen fortgeführt werden.

Warum braucht es eine neue Tramlinie zwischen Bern und Ostermundigen?

Der Bus ist zu den Hauptverkehrszeiten bereits heute stark ausgelastet. In Zukunft wird seine Kapazität nicht mehr reichen. Das Tram weist zwei wesentliche Vorteile auf:

  • Deutlich höhere Kapazität als ein Bus.
  • Entlastung des Gesamtverkehrs, da das Tram wegen seiner grossen Kapazität in einem weniger dichten Takt als der Bus verkehren muss. Davon profitieren alle Verkehrsteilnehmenden.

Wie hoch sind die Gesamtkosten?

Die Gesamtkosten für Planung und Realisierung betragen gemäss Schätzung rund CHF 264 Mio. (Planungsgenauigkeit von +/- 10%).

Müssen dem Tram Alleebäume weichen?

Die Allee-Situation ist grundsätzlich gleich wie bei «Tram Region Bern». Teile der bestehenden Alleen bleiben erhalten, so auch die für das Stadtbild wichtigen Bäume gegenüber dem Rosengarten an der Laubeggstrasse, die südliche Alleereihe bei der Siedlung Baumgarten sowie markante Alleebäume an der Viktoriastrasse.

An der Viktoriastrasse muss rund ein Drittel der Bäume wegen nötigen Anpassungen des Strassenraums (z.B. erhöhte und verlängerte Haltekanten bei Haltestellen, Verlegung der Werkleitungen in die Seitenbereiche der Strasse) ersetzt werden. Rund ein weiteres Drittel der Bäume ist krank oder beschädigt und muss auch ohne Tramprojekt in den nächsten 15 Jahren erneuert werden. Das verbleibende Drittel der Alleebäume soll nach Möglichkeit erhalten werden. Dies gilt insbesondere für jene Bäume, die das Bild der Allee prägen – zum Beispiel die markante Linde beim Sportplatz Spitalacker.

Die neuen Bäume werden im bisherigen Abstand zum Strassenrand gepflanzt. Bestehende Lücken in der Allee werden geschlossen. Nach der Realisierung von Tram Bern-Ostermundigen gibt es an der Viktoriastrasse deutlich mehr Bäume als heute.

Das Bundesgericht hält fest, dass die Aussagen des von den Tram-Gegnern in Auftrag gegebenen Gutachtens und die Analyse der Stadt Bern zum Gesundheitszustand der Alleebäume entlang der Tramstrecke «nicht in unauflösbarem Widerspruch zueinander» stehen.

Ist es richtig, dass als Ersatz für die zu fällenden Allee-Bäume nur kleinwüchsige Bäume gepflanzt werden?

Nein, die geplanten Ersatz-Bäume sind mittel- und grosskronige Hochstammbäume. Wie bereits bisher wird in der Viktoriastrasse mit sogenannten Kronenschnitten dafür gesorgt, dass der nötige Abstand zu Gebäuden und Installationen gewährleistet werden kann. In der Ostermundigenstrasse hingegen haben die Bäume aufgrund der lockeren Bebauung deut-lich mehr Platz. Die Artenwahl und -zusammensetzung erfolgt in Zusammenarbeit mit der Stadtgärtnerei Bern bzw. der Gemeinde Ostermundigen. Es werden mit einzelnen punktuellen Ausnahmen an ausgewählten Orten standortgerechte heimische Arten gewählt.

Kann die Berner Innenstadt ein weiteres Tram verkraften?

Das Tram Bern-Ostermundigen führt insgesamt nicht zu einer höheren ÖV-Belastung der Innenstadt, da eine Bus- durch eine Tramlinie ersetzt wird. Zudem tauschen die Linien 10 und 12 ihre Strecken durch die Innenstadt ab.

Wird mit dem Tram Bern-Ostermundigen auch die zweite Tramachse realisiert?

Die Projektierung der zweiten Tramachse im Zentrum der Stadt Bern wurde nach der Ablehnung von «Tram Region Bern» sistiert. Sie ist im aktuellen Regionalen Gesamtverkehrs- und Siedlungskonzept (RGSK) enthalten und dort mit der Priorität B aufgeführt. Im Rahmen der Netzstrategie ÖV Kernagglomeration der Regionalkonferenz Bern-Mittelland (RKBM) wird das Vorhaben erneut geprüft. Eine zweite Tramachse müsste durch Bund, Kanton und Stadt finanziert werden. Die Projektierung könnte frühestens ab 2022-25 beginnen.

Wie wird die Rüti künftig erschlossen?

Das Rüti–Quartier wird mit Shuttle-Bussen erschlossen. Weitere Möglichkeiten werden noch geprüft.

Wo kommt die Wendeschlaufe zu liegen?

Die Wendeschlaufe kommt auf dem Sportplatz Rüti zu liegen. Dieser Standort ging aus den vier geprüften Varianten als Bestvariante hervor und wurde auch in der Mitwirkung von der teilnehmenden Bevölkerung bestätigt.

Ist das Tram mit der Velo-Offensive der Stadt Bern verträglich?

In der Verkehrsstrategie der Stadt Bern ergänzen sich ÖV sowie Fuss- und Veloverkehr. Sie werden parallel gefördert, damit der Anteil des motorisierten Verkehrs am Gesamtverkehr reduziert werden kann. Das Tramprojekt ist mit der Velo-Offensive verträglich.

Wie werden die Anliegen des Fuss- und Veloverkehrs berücksichtigt?

Die Planung eines Trams ist ein Gesamtverkehrsprojekt. Es werden alle Verkehre berücksichtigt und bessere Lösungen für alle Verkehrsteilnehmenden angestrebt. So werden neue durchgehende Velostreifen mit Minimalbreite von 1.5 Meter geschaffen und generell die Sicherheit für Velofahrende und Fussgängerinnen und -gänger erhöht. Zwischen dem Viktoriaplatz und der Endhaltstelle Oberfeld gibt es einen Drittel mehr Velostreifen als heute.

Führt die Verbreiterung der Ostermundigenstrasse zu einer erhöhten Trennwirkung der Strasse?

Die Ostermundigenstrasse erfährt unterschiedliche Veränderungen. Der Strassenquerschnitt wird je nach Abschnitt und Situation um knapp 2 bis 6 m verbreitert. Zwischen Laubeggstrasse und Pulverweg ist die Verbreiterung geringer als zwischen Pulverweg und Gemeindegrenze, da im zweitgenannten Abschnitt das Tram in beiden Richtungen ein Eigentrassee braucht, während im ersten Abschnitt nur ein Gleis wechselseitig im Eigentrassee verläuft. Die Stützmauer zwischen Laubeggstrasse und Bitziusstrasse muss allerdings mehr als 5 m nach Norden verschoben werden, da neu zwischen dem Trottoir und der Fahrbahn eine Böschung/Grünstreifen zum Ausgleich der Hangneigung geschaffen wird. Eine stärkere Ausweitung des Strassenquerschnitts ist auch bei den Haltestellen nötig.

Die Situation für querende Fussgängerinnen und Fussgänger wird im Vergleich zu heute verbessert, indem in regelmässigen Abständen mit Mittelinseln gesicherte Zebrastreifen angebracht werden. Es ist somit immer nur eine Fahrspur auf einmal zu überqueren. An der Viktoriastrasse und bei der Haltestelle Galgenfeld sind aus Gründen der Schulwegsicherheit Lichtsignalanlagen bei den Zebrastreifen vorgesehen.

Wie wird das Projekt Tram Bern-Ostermundigen jetzt fortgesetzt?

Grundsätzlich lautet der Auftrag, das Tram Bern-Ostermundigen so zu bauen, wie im Projekt TRB (Tram Region Bern) vorgesehen. Nur in einigen klar definierten Teilabschnitten kommt es zu Änderungen. Diese sind:

  • Bahnhof Ostermundigen
  • Brücke A6
  • Wendeschlaufe Sportplatz Rüti (Oberfeld)

Wird das Projekt nochmals aufgelegt?

Das Plangenehmigungsverfahren (PGV) für den Ast Bern-Ostermundigen wurde nach dem Nein zu «Tram Region Bern» sistiert. 2021 soll es wiederaufgenommen werden. Das heisst konkret: Das Projekt Tram Bern-Ostermundigen wird 2021 öffentlich aufgelegt, ohne aber das Gebiet um den Bahnhof Ostermundigen. Der Teil um den Bahnhof wird nach heutiger Planung Mitte 2022 öffentlich aufgelegt. Diese Aufsplittung ist nötig weil die Arbeiten beim Bahnhof Ostermundigen eng mit der Planung der SBB zu koordinieren ist. Die SBB will unter anderem den Bahnhof ausbauen und hindernisfrei gestalten.

Wenn das Plangenehmigungsverfahren für das Tram erst 2021 fortgesetzt wird, bleibt dann nicht genügend Zeit für weitere Projektanpassungen?

Es besteht weder ein politischer Auftrag für eine flächige Neuplanung noch wäre eine solche überhaupt möglich. Die Kredite von Kanton, Stadt Bern und Ostermundigen wurden auf Basis des Projekts «Tram Region Bern» (TRB) und der damit verbundenen Kosten gesprochen. Damit gibt es einen klaren Auftrag, das Projekt auf der damaligen Basis fortzusetzen.

Wann wird das Tram gebaut?

Der Baustart ist gemäss aktueller Planung 2024 vorgesehen. Der Baustart hängt aber stark vom Verlauf des Plangenehmigungsverfahrens ab.

Während den Bauarbeiten können Geschäfte weniger Umsatz machen. Gibt es dafür eine Entschädigung?

Bauarbeiten im öffentlichen Raum kommen periodisch vor (z.B. für die Sanierung von Strassen und Werkleitungen). Eine Entschädigung ist daher im Grundsatz nicht geschuldet und es gibt kein Anrecht auf eine immer gleichbleibende Erschliessbarkeit.